Musik
Billy Talent III
by Haiko on Aug.02, 2009, under Musik
Fast einen Monat ist sie nun schon auf dem Markt, die neue “Billy Talent III”. Da ich ein absoluter Fan der beiden ersten Alben (die sinnigerweise Billy Talent und Billy Talent II heißen) wollte ich erst mal abwarten was die “Fan-Gemeinde” dazu sagt. Insbesondere das zweite Album gehört für mich auf die ganz kurze Liste von Alben die man immer wieder komplett hören kann ohne Songs überspringen zu wollen. Ob das am 10. Juni erschienene Folgealbum da mithalten kann?
Überlässt man die Entscheidung der iTunes-Kundenbewertung kann man mit 230 5-Sterne-Berwertungen (85,2%) und 21 4-Sterne Bewertungen (7,8%) durchaus auf etwas brauchbares hoffen -- unter den üblichen 10 Universalkritikern (3,7% mit 1-Sterne Bewertung) findet man nur den üblichen sinnfreien Troll-Müll:
Schlechte Musik in Serie (I, II, III) -- Proham
oder
… Klingt halt echt alles gleich.. Seit Jahren.. Schade. - padawu
Wobei letzterer nicht unbedingt falsch liegt, im Grunde klingt auch Billy Talent III sehr nach Billy Talent II -- eben nach Billy Talent, ein unverwechselbarer Stil -- macht das nicht eine gute Band aus? Die Lieder selbst sind bisherigen Songs selten ähnlich -- man erkennt typische musikalische Markenzeichen aber dennoch ist Billy Talent III eine Weiterentwicklung und keine bloße Kopie. Das spiegeln auch die positiven Wertungen wieder (die seltsamerweise auch deutlich wortreicher sind). Seltsamerweise gibt es übrigens keine 2-Sterne Bewertungen -- ein bisschen mögen geht offensichtlich bei diesem Album nicht.
Zu den Songs. Mit “Devil on my shoulder” steigt das neue Album deutlich sachter aber nicht weniger schnell ein als zuletzt mit “Devil in a Midnight Mass” und gefällt sofort. Auch der Rest des Albums erscheint etwas gediegener, was der Qualität allerdings keinen Abbruch tut, auch das dritte Album der vier Kanadier ist wieder eine gelungene Platte die zwischen Punk, Alternative und Rock balanciert. Überzeugend bei allen Songs, insbesondere bei “Saint Veronika” und “Pocketful of Dreams” ist wie gewohnt Benjamin Benjamin Kowalewicz Gesang. Erstklassige Tonqualität und perfekt gesungen. Entgegen der weit verbreiteten Begeisterung für “Rusted from the Rain” -- der Single-Auskopplung -- kann ich mich für diesen Song nicht übermäßig (verglichen mit dem Rest-Album) begeistern. “Diamond on a Landmine” erscheint zumindest beim ersten Hören mehr als Lückenfüller des Albums, fällt aber nicht unbedingt negativ auf. Vor der “Ballade” des Albums, “Sudden Movements” -- ein weiterer wirklich guter Song -- überzeugt “Turn Your Back” mit einem der Billy-Talent üblichen “Mitmach”-Song. Das Album schließt mit “Definition of Destiny” und “Bloody Nails + Broken Hearts” die noch einmal aufrütteln und kurzweilige 46 1/2 Minuten Billy Talent abrunden.
Wer Ben Kowalewiczs einzigartige Stimme samt Ecken und Kanten schon auf den vorherigen Alben zu schätzen gelernt hat, wird mit Sicherheit von Billy Talent III nicht enttäuscht sein. Obwohl eine deutliche Weiterentwicklung zu hören ist bleibt sein Gesang markant und unverkennbar. Musikalisch etwas weniger exzentrisch als Billy Talent II mag einigen das neue Album ein klein wenig “seicht” oder “weichgespült” vorkommen. Daher wird wohl auch weiterhin Album II mein Favorit bleiben -- oder vielleicht ein Best-Of von allen drei?
Noch zwei Hörproben -- so lange sie nicht gelöscht werden:
“Devil On My Shoulder”
“Saint Veronika”
Übrigens: Entsprechend diesem Blog-Eintrag gibt es nun 231 5-Sterne Bewertungen. Das Album gibt’s für 9,99 Talente
Alla Turca!
by Haiko on Mai.29, 2009, under Musik
Den zweiten Eintrag in der Musikkategorie widme ich einem fast schon “Exzentriker” der deutschen Musik- und Kabarett-Szene: Bodo Wartke. Auf sein Album “Noah war ein Archetyp” wurde ich durch seine Interpretation von “Rondo alla Turka” aufmerksam, im Original natürlich von Mozart. Bodo Wartke verwandelt das Allegretto in Rondoform in A-Moll (das in A-Dur endet) [so zumindest laut Wikipedia] in eine wahnwitzige Boogie-Woogie-Mischung. Aber schaut es euch einfach selbst an:
Die auf iTunes verfügbare Gesamtaufnahme seines Programms “Noah war ein Archetyp” (von 2007, also nicht mehr so ganz taufrisch) aus Hamburg ist qualitativ mehr als akzeptabel für einen Live-Mitschnitt. Der Inhalt ist deutlich mehr als akzeptabel, wenn man auf literarisches Kabarett steht. Bodo Wartke ist nämlich nicht nur ein genialer Klavier-Spieler und Sängern sondern auch noch durchaus lustig. Bereits das Intro lässt auch eine enorme Selbstironie erkennen, wenn Wartke lang und breit (sehr lange) erklärt dass er eigentlich zu wenig Programm für eine ganze CD hat und sich deshalb das ein oder andere einfallen lassen musste …
Zu machen Stücken möchte man sich dann doch ergänzend noch als Video anschauen, dank YouTube gibt es da doch so einiges aus dem Programm zu sehen. Eben erwähntes Intro zum Beispiel (der Text variiert auf der CD natürlich), in der 3Sat Variante ist dann leider auch die 45-Minuten Sendung zu lange … man erkennt die Parallele.
Die Stücke zeichnen sich teilweise durch extrem übertrieben gekünstelte Reime aus, die sich sicher nicht jeder Kabarettist oder Commedian getraut hätte
Das macht die Sache allerdings nur um so lustiger, da seine Texte dabei witzig, kreativ und alles andere als flach bleiben. Andreaa du bist Okeaaa … Miese Wortspiele gehören allerdings auch dazu -- vor allem bei mittelalterlichen Gedichten. Immer wieder sehr schön sind auch die Ansagen und “Informationen” zu den einzelnen Stücken.
Das Bonusmaterial aus Liedern zusammenzustellen, die es “mangels Qualität” nicht ins reguläre Programm geschafft haben (hier fehlt ein IRONIE-Tag), ist etwas unkonventionell, man sollte sich aber auch diese letzten Minuten keinesfalls entgehen lassen.
Viel Spaß beim hören!
A diamond …
by Haiko on Mai.28, 2009, under Musik
Die meisten werden mit dem Namen Karl Jenkins wohl wenig verbinden, das Stück Palladio aus der Diamanten Werbung dürfte allerdings so ziemlich jeder kennen. Hier im Original-Spot zu sehen:
Nach seiner Zeit bei der Band Soft Machine verfasst Jenkins vorwiegend Werbemusik, wozu auch der bekannte “Diamanten-Song” gehlrt: Palladio (1st Movement). Inspiriert von Bauten Andrea Palladios, einem Renaissance-Architekt zeichnet sich das Stück durch klare Strukturen aus. Passend zum beworbenen Objekt der Begierde lässt der schnelle Takt den Puls höher schlagen und erweckt eine erhabene Stimmung.
Inzwischen wurde das Stück (natürlich) unglaublich oft gecovered und in den verschiedensten Varianten interpretiert. Einmalig finde ich insbesondere 2 Klavierversionen. Die erste bewegt sich sehr am nah am Original (insbesondere was das Tempo angeht):
Die zweite Variante greift ebenfalls das hohe Tempo auf, klingt jedoch durch die starke Akzentuierung des Bass-Partes (leider ist die Aufnahme wirklich nicht gerade genial) eher ruhiger, fast schon “düster”:
Aus den ca. 8000 Rock-, Techno- und was-weiß-ich Remixen hebt sich mit Sicherheit das nachfolgende aus der Masse ab. Auch hier sei mal vor der recht bescheidenen Tonqualität gewarnt -- anscheind ist das echt ein Massenproblem bei YouTube.
Auf die Version mit Trompete und Horn sei mal nur am Rande verwiesen.
Was viele wohl weniger wissen -- und worauf ich eigentlich hinauswollte ist, dass Karl Jenkins (natürlich) auch noch ein wenig andere Musik gemacht hat und auch hinter dem Erfolgstitel Adiemus steht, der ebenfalls mit einem “Commercial” zu Weltruhm kam:
Gelungen konstruierte Werbung, unterlegt mit erstklassiger Musik und dem nötigen “Feeling” um in Erinnerung zu bleiben.
Ein ganz besonderes Feeling vermittelt Jenkins aber auch mit einem seiner größeren und (leider) weniger bekannten Werke, einer Interpretation des Requiems. Jenkins interpretiert die “heilige Messe für Verstorbene” auf seine ganz besondere Weise und stößt damit gleichzeitig auf hohes Lob und viel Kritik:
Selbst Mozarts klassisches Requiem (von Karajan) verstaubt bei mir im Regal, denn es vermag mich nicht so mitzureißen und beim Zuhören von allem loszulassen, wie es mit Jenkins Komposition der Fall ist. Also kein typisches, schwerverdauliches Requiem mit männerdominierenden Chören, die einen aufwühlen aber irgendwie jeder Harmonie entbehren -- aber auch bestimmt kein >Klassik meets Pop<. Die Menge positiver Gedanken und Assoziationen, die diese jenseitigen Klänge verursachen sind irritierend gut und verlangt nach mehr. Dies trifft für ca. 10 der 18 Arrangements zu. Der Rest ist mit mehr oder weniger lautem Trommelwirbel, wo dann klar das Orchester dominiert und einen wieder auf Mutter Erde zurückholt. Die >guten< Stücke sind aber traumhaft arrangiert und das Orchester unterstreicht den ergreifenden Chor, ohne sich aufzudrängen. Wer sich darauf einlässt wird es nicht bereuen.
(drarni “drarni” (Mainz)), Amazon
Lässt man einmal den Text beiseite, könnten die meisten Sätze dieses Requiems genauso der Filmmusik eines Hercule Poirot-Films mit Peter Ustinov in der Hauptrolle entstammen. Ein dermaßen sinnentfremdetes Lacrimosa ist mir noch nie untergekommen. Wenn ich beim Hören die Augen schließe, sehe ich ein Schiff, vollbesetzt mit potenziellen Mördern den Nil hinauftuckern…
(5Cento), Amazon
Dass Jenkins sein Publikum verzaubern möchte und kein klassisches Requiem präsentieren möchte dürfte jedem schnell klar sein. Wer sich jedoch darauf einlässt, geht mit ihm auf eine Chor-Musik untermalte Reise von leichtmütigen Stücken über schwere aber fesselnde Stücke (“Lacrimosa” lässt in der Tat eher an ein Sklavenschiff in düsterer Szenarie denken) hin zu spährischen, verzaubernden Parts. Ein Energie-geladenes kraftvolles und rasantes “Dies Irae” darf in der Liste natürlich keines Falls fehlen und unerwähnt bleiben.
Viele der Stücke sind zum “Reinhören” auch auf YouTube zu finden. Da es zu meinen absoluten Favoriten auf dem Album gehört möchte ich an dieser Stelle nur “Lacrimosa” verlinken:
Das ganze Album “Requiem” gibt es bei Amazon und iTunes zu kaufen. Für Karl Jenkins “Einsteiger” gibt es auch eine Essential Collection, die das wichtigste und bekannteste enthält, ebenfalls bei iTunes und Amazon zu kaufen.
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Das war im übrigen der erste Eintrag meines neuen Blog-Themenbereichs Musik. Kritik, Kommentare und Anmerkungen sind gerne gesehen -- wie immer